(c) Benne Ochs

Sternsinger-Aktion 2019: „Das ist noch ein langer Weg“

  • 18.12.18 10:52
  • Urte Podszuweit
  •   Nachgefragt

Zum 61. Mal werden sind die Sternsinger unterwegs. Beispielland ist Peru, im Fokus stehen diesmal Kinder mit Behinderung. Wir haben bei Prälat Dr. Klaus Krämer, Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“ nachgefragt, unter anderem zu den Hintergründen der diesjährigen Aktion.

Das Motto der aktuellen Aktion Dreikönigssingen lautet: Segen bringen, Segen sein. Wir gehören zusammen – in Peru und weltweit! Wer gehört hier zusammen?

Bei der aktuellen Aktion Dreikönigssingen nehmen wir Kinder mit Behinderungen in den Fokus. Dieses Thema erläutern wir am Beispiel von Mädchen und Jungen in Peru. „Zusammen“ bedeutet hier: Kinder mit und ohne Behinderung gehören zusammen. Die Sternsinger in Deutschland unterstreichen das mit ihrem Engagement. Menschen sind nicht behindert, sie werden in vielfacher Weise in unserer Gesellschaft behindert. Das müssen Kinder erst einmal verstehen und wir Erwachsenen natürlich auch.

Kinder mit Behinderungen leben in vielen Ländern. Warum ist ausgerechnet Peru das Beispielland der diesjährigen Aktion?

Weil die Lebenswirklichkeit für Kinder mit Behinderung in Peru schlecht ist. Dabei gibt es eigentlich gute gesetzliche Voraussetzungen in Peru, denn immerhin wurden wichtige UN-Kinderrechtskonventionen zum Schutz von Kindern mit Behinderungen unterschrieben, aber eine statistische Erhebung aus dem Jahr 2012 zeigte deutliche Mängel in deren Anwendung. Ein Ergebnis dieser Erhebung: Nur ein Prozent der Schulen im Land ist für Kinder mit einer körperlichen Behinderung zugänglich. 70 Prozent der Lehrkräfte geben an, für die Begleitung von Kindern mit Behinderung nicht vorbereitet zu sein. Grund genug für uns, nach Peru zu schauen und vor allem gute Beispiele für eine gelungene Arbeit für Kinder mit Behinderungen und deren Familien in den Vordergrund zu stellen.

 (c) Benne Ochs

Was genau passiert in dem Projekt Yancana Huasy?

Im Zentrum Yancana Huasy, der Name stammt aus der Quechua-Sprache und bedeutet „Haus der Arbeit“, erhalten Mädchen und Jungen mit geistiger und körperlicher Behinderung unabhängig von der finanziellen Situation ihrer Familien Unterstützung, Fürsorge und Geborgenheit.

Das Zentrum liegt inmitten eines riesigen Marktes in einem Armenviertel von Lima. Jährlich besuchen ungefähr 1.000 Kinder und Jugendliche mit Behinderung diese Einrichtung. Hier werden sie therapeutisch begleitet, erhalten soziale, und psychologische Hilfestellungen. Ganz wichtig ist es, eine Kontinuität in der therapeutischen Begleitung für die Kinder zu gewährleisten. Erreichte Fortschritte bei jedem einzelnen Kind sind für die Mitarbeiter von Yancana Huasy die schönsten Momente ihrer oft anstrengenden Arbeit. Neben der direkten Betreuung der Mädchen und Jungen werden aber auch ihre Eltern im Zentrum begleitet und beraten. Darüber hinaus finden Hausbesuche statt, und die Mitarbeiter von Yancana Huasy engagieren sich für die Lobbyarbeit für Kinder mit Behinderung.

Menschen mit Behinderung sind vom öffentlichen Leben oftmals ausgegrenzt. Wie kann sich das ändern?

Das versuchen wir gemeinsam mit unseren Partnern in den jeweiligen Ländern. Aber ich denke über alle Ländergrenzen hinweg müssen die Gesellschaften mehr und mehr dahin kommen, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und nicht seine Behinderung.  Oftmals sind es die Vorurteile und Ängste in unseren Köpfen, die verhindern, dass Barrierefreiheit verständlich wird. In unserem Film zur aktuellen Sternsingeraktion bringt es unser Projektpartner José Antonio Patrón, der Direktor von Yancana Huasy, kurz und knapp auf den Punkt, wenn er sagt: „Die Gesellschaft wird dann gerecht sein wird, wenn wir nicht mehr von Menschen mit Behinderung sprechen.“ Das ist sicher noch ein langer Weg, aber er wird nicht kürzer, wenn wir nicht den Mut haben, ihn zu gehen.

AdventsZeit 2018 (c) Robert Boecker

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