(c) Mission East

Irak: Gottesdienst feiern in ausgebrannten Kirchen

  • 10.12.18 17:02
  • Martin Mölder
  •   Nachgefragt

Im November waren Jana Göpel, Geschäftsführerin der Hilfsorganisation "Mission East" und Nadim Ammann, Leiter des Referats "Hilfen für die Mission" im Erzbistum Köln gemeinsam im Irak unterwegs und haben bewegende Begegnungen erlebt. Wir haben nachgefragt.

Was waren die Ziele Ihrer gemeinsamen Reise?

Ammann: Wir waren in unter anderem in Teleskuf, in der Ninive-Ebene, also genau in dem Gebiet, aus dem die Christen durch den IS vertrieben wurden. Viele sind jetzt zurückgekehrt, haben aber ihre Häuser völlig zerstört wieder gefunden. Die meisten haben keine Arbeit und keinerlei Einkommen, die Armut dort ist sehr groß. Deshalb haben wir entschieden, dort gemeinsam mit Mission East zu helfen.

Göpel: Im Moment ist die Winterhilfe dort besonders wichtig. Die Menschen brauchen Decken, Heizkörper, Matratzen und Abdichtungsmaterial für die Häuser. Langfristig geht es aber darum, den Menschen die Lebengrundlagen zurück zu geben, die Landwirtschaft wieder anzukurbeln, ihnen zu helfen, ihre Felder im Frühjahr zu bewirtschaften. Ein Schwerpunkt sind beispielsweise Gewächshäuser, die jeweils drei Familien ernähren. Und dabei hilft uns das Erzbistum Köln.

Wie sieht die Kooperation des Erzbistums mit "Mission East" aus?

Ammann: Das ist eine sehr konkrete Kooperation. Das christliche Hilfswerk "Mission East" hat uns überzeugt, weil sie vor allem mit lokalen Fachkräften vor Ort arbeiten und den Verwaltungsaufwand für ihre Hilfsprojekte sehr niedrig halten. Und weil das auch unser Ansatz ist, unterstützen wir gerne die Projekte von "Mission East", vor allem ihre Arbeit für Christen und Jesiden, die jetzt wieder in ihre Heimat zurückkehren.

Göpel: Der Schwerpunkt unserer Hilfe liegt im Aufbau von Lebensgrundlagen, einkommensschaffenden Maßnahmen, dem Wiederaufbau und wir versuchen für die Christen und Jesiden in den Projektgebieten im Irak nach der Schreckensherrschaft des IS wieder Grundlagen für eine Zukunft zu schaffen.

Sie waren unter anderem auch in Mossul. Was haben Sie dort gesehen und erlebt?

Göpel: West-Mossul und die Altstadt sind stark zerstört und völlig verlassen und es wird Jahrzehnte dauern, diese Stadt wieder aufzubauen. Man kann sich das gar nicht vorstellen und ich finde es wirklich schlimm, dass in der Öffentlichkeit darüber jetzt, wo das Thema IS nicht mehr so stark ist, kaum mehr berichtet wird. Die Not ist nach wie vor riesig dort.

Ammann: Wir haben uns dort mit einem Mann unterhalten, der alles erlebt hat: den IS, die Zerstörung, die Bomben und er hat uns ein Massengrab gezeigt, in dem 200 Leichen begraben sind.

Göpel: Und ein anderer Mann hat seinen Bruder begraben müssen, der vom IS getötet wurde, und dessen vier Kinder leben jetzt bei ihm. Er selbst hat aber schon sieben Kinder, eine geistig behinderte Frau und seine Mutter lebt auch noch bei ihm. Er muss sich um alle kümmern mit einem Monatsgehalt von 15 Dollar. Und als er uns das erzählt hat, hat dieser gestandene Mann bitterlich angefangen zu weinen.

Wie haben Sie in dieser Situation reagiert?

Ammann: Da weiß man nicht mehr, was man sagen soll. Und das ist eines von vielen Schicksalen, die es dort gibt. Das sagten uns dann auch die Leute von der Zivilverwaltung. Genau deshalb ist die Arbeit von Mission East dort so wichtig.

Wie können die Christen, die zurück gekehrt sind in ihre Heimatgebiete, jetzt ihren Glauben wieder leben?

Ammann: Der syrisch-katholische Bischof, Boutros Moshe, war der erste, der aus Erbil zurück gekehrt ist in die Ninive-Ebene und hat dadurch ein wichtiges Zeichen gesetzt. Danach sind viele andere Christen auch zurück gekommen. Die Kirchen sind aber nach wie vor zerstört und ausgebrannt, aber trotzdem wird dort gebetet und gesungen. Es ist alles schwarz, aber die Menschen haben Lampen aufgehängt, Stühle aufgestellt, sauber gemacht und dann feiern die Christen dort Gottesdienst. Das ist wirklich sehr beeindruckend.

Hier gibt es alle Infos zu "Mission East"

AdventsZeit 2018 (c) Robert Boecker

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der AdventsZeit 2018.

Zur AdventsZeit 2018 »