(c) Kirche in Not

„Es geht um Leben und Tod“

  • 06.12.18 13:40
  • Maria Lozano
  •   Nachgefragt

Die südpazifische Republik Fidschi ist ein beliebtes Reiseziel. Doch das Urlaubsparadies ist infolge des Klimawandels bedroht. Erzbischof Peter Loy Chong leitet das Hauptstadtbistum Suva. Maria Lozano vom päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ hat ihn getroffen.

Als Bischof aus Fidschi bekommen Sie die Folgen von Umweltverschmutzung und Klimawandel sehr deutlich zu spüren. Wie ist die Lage?

Chong: Der Wasserspiegel des Pazifischen Ozeans steigt Jahr für Jahr. In 50 Jahren werden viele Siedlungen untergegangen sein. Das können wir nicht nur Statistiken entnehmen. Das sehen wir selbst: Früher versuchte jeder Bewohner auf den Fidschi-Inseln, sein Haus möglichst nah am Wasser zu bauen. Nicht nur das Klima, auch die Arbeitsmöglichkeiten durch den Fischfang waren besser als in den Bergregionen. Mein Großvater zum Beispiel baute sein Häuschen 50 Meter vom Meer entfernt. Heute steht es fast schon im Wasser. In vielen Orten müssen die Häuser bereits jetzt in der Nähe von Hügeln wiederaufgebaut werden, weil das Wasser gefährlich nahekommt.

Papst Franziskus hat wiederholt auf die dramatischen Folgen des Klimawandels hingewiesen. Trotzdem glauben auch viele Katholiken, dass das Problem nicht so schwerwiegend ist. Was sagen Sie ihnen?

Vor kurzem habe ich an einer internationalen Erklärung von Kirchenvertretern zu diesem Thema mitgearbeitet. Im ersten Entwurf stand: „Der Klimawandel wird unsere Entwicklungsmöglichkeiten betreffen.“ Es ging um Wirtschaft und Tourismus. Aber diese einseitige Sicht ist falsch! Der Klimawandel bedeutet für uns nicht in erster Linie, dass wir wirtschaftliche Chancen verpassen. Es geht um unsere Nahrungsgrundlagen, unsere Zukunft. Es geht um Leben und Tod! Immer wieder ist auch die Rede davon, dass wir lernen sollen, mit dieser Situation zu leben. Aber wir sprechen von großem Leid, vom Aussterben ganzer Regionen. Wie soll ich meinen Leuten sagen, dass sie damit leben lernen sollen?

Trotzdem ist es für einige Menschen schwierig zu verstehen, welche Rolle die Kirche im ökologischen Bereich spielen soll. Ist es nicht doch eher eine wirtschaftliche und politische Aufgabe?

Ich glaube, dass die Kirche in zwei Bereichen eine wichtige Rolle spielt. Erstens geht es um ein Problem, das einen Kern unseres Glaubens betrifft: Die Schöpfung ist ein Geschenk, das uns der Schöpfer gemacht hat – verbunden mit dem Auftrag, sie zu bewahren. Wir müssen uns als Christen fragen, ob wir uns da richtig verhalten oder nicht. Zweitens, und das betrifft mich als Bischof und Seelsorger ganz besonders: Wie können wir die Menschen in ihrem Leid begleiten und trösten? Ihr ganzes Leben, ihr Überleben ist durch die Umweltveränderungen ins Wanken gekommen. 

Papst Franziskus mahnt eine „ökologische Umkehr“ an. Das klingt erstmal sehr abstrakt. Was verstehen Sie darunter?

Umkehr betrifft uns alle – auf nationaler wie auf internationaler Ebene. Es stellt sich die Frage: Wovon sollen die Menschen künftig leben? Die „ökologische Umkehr“ muss also auch auf lokaler Ebene erfolgen. Und sie muss eine Umkehr der Herzen sein. Wir brauchen eine Annäherung an Gott, Achtung vor der Schöpfung, einen nüchternen Blick auf die Fakten und eine Großherzigkeit gegenüber denjenigen, die unter den Folgen leiden. Mein Volk auf den Fidschi-Inseln weint. Wer wir diese Tränen trocken?

AdventsZeit 2018 (c) Robert Boecker

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