Faktencheck Bonn

Was wir wissen - Faktensammlung zum Amtsverzicht von Stadtdechant Monsignore Wilfried Schumacher

  • Es wurde insgesamt Substanzvermögen in Höhe von rund zwei Millionen Euro aufgezehrt.
     
  • Über die Finanzierung der defizitären Betriebe hinaus wurde Geld aus dem Substanzvermögen zur unzulässigen Finanzierung nicht genehmigter Baumaßnahmen der Kirchengemeinde verwendet.
     
  • Monsignore Schumacher erkennt seine funktionale Verantwortung an.
     
  • Er hat deshalb auf die Aufgaben als Pfarrer der Pfarrei St. Martin in Bonn und als Stadtdechant verzichtet.
     
  • Monsignore Schumacher wusste seit Monaten von den Prüfungsfeststellungen der internen Revision.
     
  • Mit Monsignore Schumacher wurden in den letzten Wochen ausführliche Gespräche geführt, seine Erläuterungen im Untersuchungsbericht und bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt.
     
  • Die Rendantur in Bonn hat das Erzbistum nicht zu einer früheren Prüfung der Kirchengemeinde St. Martin aufgefordert.
     
  • Den Verantwortlichen wird keine persönliche Bereicherung vorgeworfen.
     
  • Das Erzbistum hat zu keinem Zeitpunkt erwogen, Strafanzeige gegen Ehrenamtliche zu stellen.
     
  • Die Aufdeckung der unzulässigen Mittelverwendung ist das Ergebnis einer turnusmäßigen Prüfung der internen Revision des Erzbistums Köln.
     
  • Das Prüfergebnis der internen Revision hat eine externe, unabhängige Wirtschaftsprüfungs­ gesellschaft im Auftrag des Kölner Erzbischofs und des Vermögensrates des Erzbistums Köln bestätigt.

Zeitliche Abläufe von Revision, Prüfung und Amtsverzicht

Die interne Revision des Erzbistums legte dem Vermögensrat des Erzbistums Erkenntnisse über die unzulässige Verwendung von Finanzmitteln in der Bonner Kirchengemeinde St. Martin vor. Als an den Erzbischof Anfang Februar 2018 Forderungen nach sofortigen personellen Konsequenzen im Hinblick auf den Stadtdechanten herangetragen wurden, entschied dieser, zunächst eine Sonderuntersuchung durch eine externe unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Auftrag zu geben. Dem schloss sich der Vermögensrat an.

Die externe, unabhängige Wirtschafsprüfungsgesellschaft führte von Mitte Februar bis Mitte April 2018 die Sonderuntersuchung durch und präsentierte dem Kardinal und dem Vermögensrat am 25. April 2018 den Stand der Untersuchung zum 20. April 2018. Zuvor hatte sie unter anderem auch zweimal ausführlich Monsignore Schumacher zu den geprüften Sachverhalten angehört. Darüber hinaus fand am 20. März 2018 ein längeres persönliches Gespräch zwischen dem Erzbischof und Monsignore Schumacher statt.

Der Vermögensrat des Erzbistums verlangte auf der Grundlage des vorläufigen Berichts der externen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (Deloitte), dass unverzüglich die erforderlichen personellen Konsequenzen insbesondere im Hinblick auf den für alle beteiligten kirchengemeindlichen Rechtsträger letztverantwortlichen Stadtdechanten gezogen würden; anderenfalls könne die Verantwortung durch den Vermögensrat nicht getragen werden.

Der Erzbischof gab daraufhin am 27. April 2018 zur Unterstützung der internen sowie rechtlichen Beurteilung der Aktivitäten und Verantwortlichkeiten von Herrn Msgr. Schumacher eine zusammenfassende Darstellung aller von Deloitte im Rahmen der Sachverhaltsaufklärung identifizierten diesbezüglichen Feststellungen sowie darüber hinaus eine rechtliche Einschätzung in Auftrag. Die Stellungnahmen wurden am 30. April 2018 bzw. am 8. Mai 2018 vorgelegt und Herrn Msgr. Schumacher in einem Gespräch mit dem Erzbischof, zu dem er entsprechend der Bitte des Erzbischofs mit einer Vertrauensperson am Mittwoch, den 9. Mai 2018 erschien, ausgehändigt.

Unterstützung für Ehrenamtliche - Kölner Stadt-Anzeiger korrigiert seine Darstellung vom 10. Mai

Am 10. Mai meldete der Kölner Stadt-Anzeiger fälschlicherweise, dass das Erzbistum erwogen hätte, im Fall des Bonner Finanzskandals strafrechtlich gegen den ehrenamtlichen Kirchenvorstand vorzugehen. Diese Darstellung hat der Kölner Stadt-Anzeiger jetzt korrigiert (siehe unten). Richtig ist vielmehr, dass das Erzbistum nie an eine solche Maßnahme gedacht hat. Ehrenamtliches Engagement bildet eine der Grundlagen der Arbeit der Kirchengemeinden. „Das Erzbistum will dieses Engagement fördern und sichert allen Ehrenamtlichen seine ausdrückliche Unterstützung zu“, betonte Generalvikar Markus Hofmann als Reaktion auf die Richtigstellung.

Die Korrektur des Kölner Stadt-Anzeigers im Wortlaut:

„Am Freitag, 11. Mai, trat Wilfried Schumacher mit sofortiger Wirkung als Pfarrer und Stadtdechant zurück. Dem war ein Bericht des „Kölner Stadt-Anzeiger“ vom Vortag vorausgegangen, dem zufolge das Erzbistum beabsichtige, ihn seiner Ämter zu entheben und Anzeige wegen Untreue bzw. Beihilfe zur Untreue gegen ihn, den für die Finanzverwaltung verantwortlichen Rendanten sowie gegen den ehrenamtlich tätigen Kirchenvorstand zu erstatten.
Das Erzbistum erklärte dazu am Freitag, dem Tag von Schumachers Rücktritt, es habe zu keinem Zeitpunkt erwogen, in der beschriebenen Weise gegen den ehrenamtlichen Kirchenvorstand vorzugehen. Es habe zwar eine Strafanzeige gegen die genannten hauptamtlich Tätigen geprüft, jedoch nicht weiter in Betracht gezogen.“