Paris/Köln – Erschütterung über Zerstörung – Kardinal Woelki trauert – Brandschutz am Kölner Dom

16. April 2019 pek190416, Kölner Dom
Die Kathedrale Notre Dame in Paris vor der Brandkatastrophe am 15. April 2019.

Köln. Nach dem verheerenden Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame erklärt der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki: „Wir trauern und leiden mit den französischen Katholiken in dieser Stunde in besonderer Weise“. Für Kardinal Woelki ist es ein besonders schwerer Schlag, dass gerade die Pariser Kathedrale Notre-Dame getroffen wurde: „Es ist ein Ort, an dem über Jahrhunderte hinweg Menschen den Glauben gefeiert haben, ein Ort, an dem französische Geschichte geschrieben wurde und ein Ort, wo wichtige Zeugnisse unseres christlichen Glaubens aufbewahrt werden.“

Kardinal Woelki ruft dazu auf, die „französischen Freunde auf keinen Fall alleine zu lassen.“ Nach dem verheerenden Brand sieht der Kölner Kardinal auch ein positives Signal in den Ereignissen: „Ich bin unendlich dankbar und froh, dass auch vom französischen Staatspräsidenten gleich ein Signal der Hoffnung und Zuversicht ausgegangen ist und der Aufbau von Notre-Dame zugesagt worden ist. Das macht deutlich, wie wichtig Kirchen und Gotteshäuser für unsere Gesellschaften und Kultur sind“.

Der Brand, der gestern am frühen Abend aus noch ungeklärten Gründen auf dem Dachboden ausbrach und erst heute Vormittag vollständig gelöscht werden konnte, zerstörte weite Teile des Daches der weltberühmten Kathedrale und brachten den Vierungsturm zum Einsturz. Die Struktur der gotischen Kathedrale und die Fassade mit den beiden Haupttürmen konnten aber gerettet werden.

 

Solidarität mit französischen Freunden

„Unseren französischen Freunden gilt unser tiefstes Mitgefühl“, sagt der Kölner Dompropst Gerd Bachner. „ Notre-Dame de Paris steht genauso symbolisch für Frankreich wie der Kölner Dom für Deutschland. Deshalb schmerzen uns in Köln die schrecklichen Bilder der brennenden Kathedrale ganz besonders. Das Feuer trifft auch unsere Herzen.“ Als Zeichen der Solidarität läuten heute um 12 Uhr die Glocken des Kölner Doms.

„Es ist geradezu schmerzlich, Notre-Dame de Paris in Flammen zu sehen“, sagt der Kölner Dombaumeister Peter Füssenich. „Ich habe die Berichterstattung verfolgt und war bis in die Nacht in ständigem Austausch mit Baumeisterinnen und Baumeistern aus ganz Europa, auch mit meinen Kollegen der Bauhütte des Straßburger Münsters. Wir sind alle zutiefst entsetzt. Der Brand von Notre-Dame bedeutet die Vernichtung der Werke von Generationen und damit einen unermesslichen Verlust für ganz Europa. Wir sind alle sehr berührt und versichern unseren französischen Freunden unser Mitgefühl und unsere Solidarität."

Erinnerung an Brand in St. Peter Düsseldorf

Das Feuer, das offenbar bei Bauarbeiten auf dem Dach der Kathedrale entstand, erinnert Füssenich an einen vergleichbaren Brand in Düsseldorf 2007. „Auf dem Dach der Kirche St. Peter hatte man bei Dachsanierungsarbeiten mit einem Gasbrenner gearbeitet“, erinnert sich der Kölner Dombaumeister. „ Durch eine Staubexplosion hatte sich in der Folge ein Brand unglaublich schnell im Dachstuhl ausgebreitet. Für die Feuerwehr ist ein Brand von solchen Ausmaßen eine große Herausforderung und gleichzeitig ein hohes Risiko. Der Arbeit der Feuerwehr muss man höchsten Respekt zollen.“

Kölner Dom: Dachstuhl aus Eisen

Der Kölner Dom sei durch seinen eisernen Dachstuhl besser geschützt. „Durch die Weitsicht der Baumeister aus dem 19. Jahrhundert hat man auf dem Dach des Domes eine Eisenkonstruktion realisiert“ , so Füssenich. Rund 30 Jahre vor dem Eiffelturm in Paris erbaut, war der Dom-Dachstuhl seinerzeit eines der größten und modernsten Eisenbauwerke Europas. Auch der Vierungsturm, der auf der Pariser Kathedrale aus Holz konstruiert wurde, ist auf dem Kölner Dom aus Eisen.

„Mit einem hölzernen Dach hätte der Dom im Zweiten Weltkrieg sicher noch viel gravierendere Schäden davongetragen“, ist Füssenich überzeugt. Dennoch gelte für den Kölner Dom wie für alle Bauwerke: Der vorbeugende Brandschutz bleibe ein wichtiges Thema.

Brandschutz auch in Köln wichtiges Thema

Um am Kölner Dom heute gegen Brände gewappnet zu sein, führe die Feuerwehr regelmäßige Begehungen und Übungen durch. „Außerdem wird unser Brandschutzkonzept ständig überarbeitet und erweitert“, so Füssenich. „Dazu gehört unter anderem, dass wir regelmäßig üben, wie wir im Brandfall unsere einzigartigen Kunstwerke mit speziellen Löschdecken sichern können.“

Vorsichtsmaßnahmen bei Bauarbeiten am Kölner Dom

Schließlich würden Baumaßnahmen am Dom nur unter großen Vorsichtsmaßnahmen durchgeführt. „Die Mitarbeiter der Dombauhütte haben ein hohes Bewusstsein dafür, dass sie mit empfindlichen Materialien arbeiten“, sagt Füssenich. „Vor allem bei Löt- und Schweißarbeiten gehen wir mit großer Sorgfalt und Umsicht vor. Sicher wird das Feuer von Notre Dame noch einmal das Augenmerk auf die Bedeutung des vorbeugenden Brandschutzes für die Kulturdenkmäler Europas lenken."