Eine Entdeckungsreise

Der Himmel ist zwischen uns - zitiert nach Klaus Hemmerle

Eine Entdeckung

Die Welt gleicht nicht eigentlich einer Kugel mit meinem Ich als Achse, sie gleicht eher einem Spielfeld zwischen uns. Und unser Spiel geht um das Eine, auf das alles ankommt, oder gar um den Einen, auf den alles ankommt. Die Kugel, deren Zentrum ich heißt, würde zum Gefängnis; das Spielfeld zwischen uns, das eine Mitte hat, die größer ist als wir, wird erst zur Welt für dich, für mich, für alle.

Auch sein Ort ist: zwischen uns

Aber nicht nur die Perspektive der Welt hat sich gedreht,
auch der Ort Gottes liegt anders.
Gewiß, er ist größer als wir, früher als wir, wir dürfen nach wie vor sagen: über uns.
Aber wenn er unser Gott, wenn er der Gott der Welt ist, dann ist er eben: Mitte.
Auch sein Ort ist: zwischen uns.

Transzendenz bleibt notwendig

Wird dann aber nicht jener alte Begriff der Transzendenz hinfällig? Jener Begriff, der sagt: Um Gott zu erreichen, müssen wir uns und unsere Welt übersteigen (transzendieren) zu dem, der größer und anders ist als wir und die Welt. Transzendenz bleibt notwendig. Aber der Überstieg hat eine andere Richtung: Transzendenz zur Mitte.
Was größer ist als alles, ist zwischen uns – und das mutet uns nicht weniger den Aufbruch zu, weg vom Ich, weg von meiner Welt.

Die Achse ist Gott

Für die Welt und für Gott, aber auch für den Menschen heißt das neue Wort: zwischen.

Der Mensch ist und bleibt zwar das Wesen der Selbstbestimmung, Wesen, das seine Mitte in sich selber trägt. Der Mensch ist und bleibt auch Wesen der Natur, Wesen der Welt, bestimmt von anderem, angewiesen auf anderes. Er dreht sich nicht nur um sich, sondern muß über sich hinaus. Seine Mitte ruht nicht nur in ihm. Aber nicht im Streit zwischen Selbstgewinn und Selbstverlust, zwischen Selbstbestimmung und Fremdbestimmung berühren wir die Achse seines Daseins. Diese Achse ist ein anderer, ist Gott. Will der Mensch unmittelbar über sich verfügen, so entgeht er sich. Empfängt er sich je neu von Gott, so findet er sich. Will er unmittelbar über die Welt verfügen, so zerstört er sie oder entgeht sie ihm. Empfängt er sie je neu von Gott, so erschließt sie sich ihm, läßt sich von ihm gestalten. Zwischen mir und mir steht Gott, zwischen mir und meiner Welt, zwischen mir und meinem Nächsten steht Gott. Der „Umweg“ über ihn ist der nächste Weg zu mir und zu allem.

Zitiert aus Klaus Hemmerle: "Der Himmel ist zwischen uns", München 1978; Siehe auch: www.Klaus-Hemmerle.de